Besuch im Taubenschlag Paderborn: Was hat es wirklich auf sich mit den „Ratten der Lüfte“?
Sie können sich selbst im Spiegel erkennen, Monet von Picasso unterscheiden und leben in festen Partnerschaften: Stadttauben können so viel mehr als ihr zu Unrecht erworbener schlechter Ruf im ersten Moment vermuten lässt! Obwohl uns diese faszinierenden Vögel täglich begegnen, ist ihr Leben für viele Menschen doch unsichtbar. Wer CalmeMara kennt, weiß, dass wir ein großes Herz für alle Tiere haben, aber ganz besonders schlägt es für manchmal unscheinbare und oft missverstandene Tiere. Man denke nur an Eber Hansi, den Regenwurm, unser krassestes Tier der Erde, oder auch den Egal-Aal. Auch ihre Geschichten sind es wert, erzählt zu werden! Denn gerade weil meist nicht viel über sie bekannt ist, können sie Kinder – und meistens auch die Erwachsenen – immer wieder mit ihren faszinierenden Fähigkeiten, interessanten Fakten und spannenden Perspektiven überraschen und zum Staunen bringen.

(v.l.) Hannah Schenk und Maike Rojan
Mit Vorurteilen aufräumen: Kinderbuch über die Stadttaube Tom Tauber
Genau diese Absicht, über eine oft missverstandene Tierart aufzuklären, sie in ein positives neues Licht zu rücken und Verständnis und Empathie für sie zu wecken, verfolgt auch unser neues Bilderbuch „Tom Tauber. Ratte der Lüfte“. Geschrieben hat es unsere Autorin und Kollegin Hannah Schenk, für die es ein großes Herzensanliegen war, den oft geschmähten Stadttauben eine Bühne zu bieten. Anhand von Toms Geschichte erzählt sie einfühlsam, wie faszinierend und schützenswert die Vögel tatsächlich sind und verdreht dabei ganz selbstverständlich die weit verbreitete, abfällig gemeinte Bezeichnung „Ratte der Lüfte“ ins Positive. Diese war übrigens der Auslöser die Geschichte:
„Nachdem feststand, dass ich ein Buch über eine Stadttaube schreiben möchte, kam mir als erstes die weit verbreitete Beleidigung „Ratte der Lüfte“ in den Sinn. Sofort entstand die Idee, diese Bezeichnung augenzwinkernd aufzugreifen und ins Positive zu verkehren. Die weitere Handlung ergab sich dann wie von selbst: Eine Freundschaftsgeschichte zwischen Tauben und Ratten musste her! Da Taubennester oft Bauarbeiten zum Opfer fallen, ersann ich eine rattenstarke Pflegefamilie für Taubenküken Tom und schon entstanden Bilder und Charaktere vor meinem inneren Auge. Für Tom ist es das Größte, eine Ratte der Lüfte zu sein. Seine Sicht der Dinge soll dazu einladen, die weit verbreitete negative Haltung gegenüber Tauben zu hinterfragen.“
Begegnung mit echten Stadttauben
Weil Hannah Toms gefiederte Freund*innen gerne auch einmal persönlich und im echten Leben kennenlernen wollte, hat sie im Frühjahr den Paderborner Taubenschlag besucht und sich dort mit Maike Rojan getroffen. Maike ist Mitglied im Verein „Initiative Paderborner Stadttauben“ und arbeitet ehrenamtlich im Taubenschlag. Ziel der Initiative ist es, die Population von Stadttauben einzudämmen, ohne Leid zu verursachen, und ihnen ein gutes Zuhause zu geben. Maike hat Hannah viel zu ihren Schützlingen erzählt, zum Beispiel, dass Tauben aufgrund der Bezeichnung „Ratten der Lüfte“ als gefährliche Krankheitsüberträger stigmatisiert werden. Allerdings ist das ein Mythos, sie gefährden unsere Gesundheit nicht stärker als andere Tierarten. Im Gegenteil, Stadttauben haben leider selbst oft mit Krankheiten sowie Hunger und fehlenden Brutplätzen zu kämpfen. Ursprünglich stammen sie von Zuchttauben ab. Sie enden u.a. als Stadttauben, weil sie den Weg zurück nach Hause nicht mehr finden. Im Grunde brauchen sie also Schutz.
Maike Rojan sagt dazu:
„Unsere Stadttauben sind keine Wildtiere – sie sind verwilderte Haustiere. Sie sind im Grunde wie Hunde und Katzen, die einfach im Stich gelassen worden sind, weil wir sie irgendwann nicht mehr brauchten. Und wir müssen wieder mehr ins Gedächtnis rufen, dass es Haustiere sind, die von uns abhängig sind.“
„Sie wissen, man will ihnen was Gutes.“
Auf dem Gelände des Paderborner Taubenschlags befinden sich drei Häuschen: ein großer Taubenschlag, in dem Tauben ein und aus fliegen, sowie ein Pflegeschlag und ein Häuschen für Tauben, die besonderen Schutz brauchen. Ein Beispiel für eine Taube mit besonderen Bedürfnissen ist Charlie. Aufgrund einer PMV-Erkrankung muss Charlie schon seitdem sie ein Küken ist per Hand gefüttert werden und ist daher den engen Kontakt mit Menschen gewohnt. Mit ihrem Partner lebt sie im Pflegeschlag, sitzt in seinem Nest und wartet dort oft schon auf die ehrenamtlichen Helfer*innen. Täglich werden die Schläge von den Ehrenamtlichen gereinigt, Wasser und Futter aufgefüllt und die Eier durch Gipseier ausgetauscht.
- Hannah mit Taube Charlie
- Tauben auf dem Taubenschlag
Maike erzählt:
„Tauben erkennen einen immer wieder – und das stimmt wirklich. Wenn man hier hinkommt und die Tauben einen erst kennen: wie sie sich neben einen setzen, oder die, die per Hand gefüttert werden, schon auf einen zulaufen, weil sie wissen, man will ihnen was Gutes. Das ist wirklich schön.“
Zum Abschluss berichtete sie noch von einer ganz besonderen Begegnung, die sie sehr berührt hat:
„Es kam tatsächlich ein Jungvogel zu mir in den Laden geflogen, als wüsste er, dass ich mich kümmern würde. Ich konnte ihn einfach aufsammeln, mit nach Hause nehmen und pflegen – und die Taube lebt jetzt hier im Taubenschlag.“
Sie betonte außerdem noch einmal ausdrücklich, dass Stadttauben ganz wundervolle, liebevolle Wesen sind, die es einfach nicht verdient haben, schlecht behandelt zu werden. Die Dankbarkeit der Tauben spürt sie jeden Tag bei ihrer Arbeit im Taubenschlag.
Hannahs Fazit:
„Ich bin so dankbar, dass ich einen Tag bei Padertauben e.V. verbringen durfte. Ein toller Verein – und die Ehrenamtlichen, die sich hier für die Stadttauben einsetzen, machen eine großartige Arbeit. Ich durfte ganz viel Neues lernen und sehr berührende Momente erleben.“
Unterstützung für Stadttauben 
Auch uns liegen die Stadttauben natürlich am Herzen und deswegen unterstützen wir die Taubenschutzkampagne #RespektTaube des Deutschen Tierschutzbunds mit einem Euro pro verkauftem Exemplar von „Tom Tauber. Ratte der Lüfte“. Im Sinne der Tauben bietet der Deutsche Tierschutzbund Infomaterial an, klärt über Presse und Social Media auf, schaltet Werbung, führt Fachgespräche und versucht, Verantwortliche in den Städten von einem tierschutzgerechten Taubenmanagement zu überzeugen – zusammen mit vielen seiner angeschlossenen Tierschutzvereine und Tierheime, die sich um die Tauben kümmern.





